Vision of Freedom

Heute gibt es ein klein wenig Hintergrund zu meinem laufen Sedition Wars Projekt. Ich schreibe parallel zum Malen immer mal wieder an einer fortlaufenden Rahmenhandlung für meine Truppe, und heute folgt Teil 2. Da ich Teil 1 ebenfalls noch nicht hier gepostet hatte, packe ich den auch noch dazu.

Prolog: Vision of Freedom

Im flackernden Schein der verbliebenen Notbeleuchtung taumelte Captain Winter die zerschmetterten Gänge der Vision of Freedom entlang. Sein Atem kam bereits seit einer halben Stunde nur noch stoßweise und unter seinem Schutzanzug floss der Schweiß in Strömen, da die integrierte Thermoregulation inzwischen ebenso ausgefallen war wie die Umweltsysteme in den stickigen Gängen der Forschungsstation. Mit einem letzten Sprung hechtete er hinter einen umgestürzten Spind, ging in Deckung und hämmerte ein neues Energiemagazin in seinen Pulskarabiner. Ein kurzer Blick an seinen Gürtel zeigte bereits das nächste Problem – es waren nur noch zwei Magazine übrig, wenig mehr als 100 Schuss. Bereits Sekunden später sank diese kritische Zahl erneut, als er einige gut gezielte Energiebolzen in die herannahenden Necroforms feuerte. Die tumben Kreaturen gingen in einer Wolke aus Blut und Nanosporen zu Boden, nur um kurz darauf von anderen ersetzt zu werden, die durch die Kampfgeräusche aus einem nahegelegenen Mannschaftsquartier gelockt wurden. Kurz bevor ihn die stetig vorwärts wabernde Wolke aus Nanosporen erreichte, setzte er seinen Weg zur Landebucht der Vision of Freedom fort, vielleicht war ja trotz der schweren Schäden noch irgendwo ein flugfähiges Rettungsshuttle übrig geblieben.

Als er wenige Schritte später um eine weitere Ecke bog, kollidierte er unsanft mit Private Stevens, der sich panisch herumwarf und eine Energiesalve an seinem Kopf vorbeijagte. „Verdammt, Soldat, reicht es nicht, dass alles auf diesem verdammten Schiff uns tot sehen will? Bringen wir uns jetzt noch gegenseitig um?“ „S..Sorry, Captain, ich habe… ich dachte…“ „Schon in Ordnung, dieser Ort macht uns nach und nach alle weich… Wie ist die Lage bei Ihnen, was ist am anderen Ende dieses Gangs?“ „Die Lazarettstation und der Walkway zur Landebucht, aber der Bereich wurde vollständig überrannt. Wir waren zu dritt, James und Amy haben es nicht geschafft. Der Kontakt zu Spirit ist schon vor einer Viertelstunde abgebrochen, sie wollte auf der anderen Seite des Sicherheitsschotts nach einem Überbrückungsschalter für die Feuertüren suchen.“

In Gedanken ging Winter die Karte des Sektors durch, die er sich im Briefing so exakt wie möglich eingeprägt hatte, und schätzte ihre verbliebenen Optionen ab. Viele waren es nicht. Vor ihnen blockierte das überrannte Lazarett den Weg zur Bucht, hinter ihnen näherten sich die Verfolger der Strain und fast alle Schotten zu den angrenzenden Bereichen waren durch das Notfall-Quarantänesystem blockiert worden. Nach einigen weiteren Sekunden begann er schließlich die umliegenden Wände abzuklopfen. „Position sichern, Private, das könnte etwas Zeit in Anspruch nehmen…“

Während Stevens mit hektischen Salven versuchte, die vorrückenden Strain in Schach zu halten, suchte Winter weiter die glatte Wandstruktur ab, bevor er schließlich fündig wurde. „Der Kabelschacht, na endlich! Mit etwas Glück passen wir da durch und mit noch mehr Glück ist er nicht voller Sporen…“ Mit geübten Handgriffen, brachte der Captain eine kleine Sprengladung auf der Wandvertäfelung an, trat beiseite und löste nach einer kurzen Warnung an Stevens die Zündung aus Mit einem dumpfen Geräusch und einer gewaltigen Staubwolke wurde die Wandabdeckung zerschmettert, und offenbarte einen schmalen Wartungstunnel, in dem mehrere armdicke Kabelverbindungen verliefen. Nach einem prüfenden Blick in die Dunkelheit blickte Winter sich um und gab dem immer verzweifelter feuernden Private ein Zeichen. „Los jetzt, rein da!“

Der junge Samaritan stellte das Feuer ein und wandte sich zum Gehen, als er plötzlich herumgeschleudert wurde. Eine stählerne Peitsche hatte sich um seinen Arm gewickelt, und riss ihn Sekundenbruchteile später mit einem weiteren Ruck aus dem Gelenk. Stevens Aufschrei ging bereits Sekunden später in einem gurgelnden Geräusch unter, als eine weitere Stahlpeitsche seine Halspanzerung durchschmetterte und den Samaritan röchelnd zu Boden schickte. In diesem Moment hätte Winter vermutlich einfach im Kabelschacht verschwinden sollen, doch der Zorn, der ihn jetzt übermannte, machte logisches Denken unmöglich. Wutentbrannt riss er seinen Pulskarabiner herum, und gab mehrere Feuerstöße auf die beiden Scythe Witches ab, die sich ihnen unbemerkt von der Lazarettstation aus genähert hatten. Während die erste Kreatur perfekt getroffen und zerfetzt wurde, gelang es der zweiten Witch vor ihrem Ableben noch einen letzten Schlag gegen Winters linkes Bein zu führen, und ihm die Kniescheibe zu zertrümmern. Mit einem Schmerzensschrei ging Winter zu Boden und als er sich gerade wieder aufrappelte, hörte er hinter sich die allzu bekannten Schlurfgeräusche der herannahenden Necroforms. Mit aufkeimender Panik wandte er sich um und starrte in die toten Augen eines Samaritans. Das Gesicht des Soldaten war über und über mit Geschwüren übersäht, und an mehreren Stellen brachen metallische Tentakel aus seiner Haut hervor. Bevor Winter sein Energieschwert aus der Scheide ziehen konnte, war die Kreatur bereits über ihm und drückte ihn zu Boden. Das Letzte, was Winter spürte, waren die suchenden Bewegungen der Metalltentakel, die seinen Anzug nach Schwachstellen abtasteten…

Mit einem Schrei fuhr Winter in seinem Bett hoch und verharrte sekundenlang in Schockstarre, bevor er seine Umgebung wieder wahrnahm. Mit unsicheren Schritten ging er zum Waschbecken, wusch sich den kalten Schweiß von der Stirn und legte schließlich seine Uniform an. Kurz darauf meldete sich der Kommunikator an seinem Schreibtisch und Kapitän Antars Stimme erklang am anderen Ende der Leitung. „Captain Winter? Wir nähern uns der Position der Vision of Freedom und werden in wenigen Minuten unsere Beobachtungsposition erreichen. Die Sensoren melden keinerlei Kommunikation im gesamten Sektor, alles ist ruhig.“ „Verstanden Kapitän, ich bin in sofort auf der Brücke. Winter Ende.“ Ruhig… das Wort klang noch einige Augenblicke in Winter Kopf nach, bevor er mit einem grimmigen Lächeln zur Brücke aufbrach. Mit der Ruhe würde es bald vorbei sein…

Sedition Wars Sichtkontakt

Sektion 1: Sichtkontakt

Auf der Brücke der Wings of Fury herrschte bereits hektische Betriebsamkeit, als Captain Winter durch die verstärkte Zugangstür trat. Rote Warnleuchten signalisierten überdeutlich, dass sich das Schiff in Gefechtsbereitschaft befand, und der Grund dafür lag ebenso klar vor ihm. Überall auf der Brücke zeigten Monitore Sensordaten und Bilder des umliegenden Weltraums, und auf fast allen Bildschirmen war der schattenhafte Umriss eines gewaltigen Raumschiffes zu erkennen. Die Vision of Freedom war zwar nur wenig länger als die Fury, aber knapp doppelt so breit und deutlich massiver. Schwere Geschütze waren überall auf ihrer Hülle angebracht, und auf jeder Seite wartete ein gewaltiges Hangartor darauf tödliche Jägerschwärme ins All zu entsenden. Doch nichts dergleichen geschah. Die Vision of Freedom lag in völliger Stille und fast ebenso vollkommener Dunkelheit vor ihnen. Nur an einzelnen Stellen flackerten Lichter hinter den Fenstern und nicht einmal ein schwaches Glimmen erhellte die Triebwerke.

Winter hielt sich nicht lange mit einer Begrüßung auf. „Kapitän, Bericht!“ Antar blickte einen Moment von seinem Monitor auf, wandte sich aber umgehend wieder den Daten zu und erklärte ihre Situation: „Alle Systeme haben den Austritt aus dem Interspace unbeschadet überstanden. Die Crew ist auf ihren Posten und unsere Schilde sind bei maximaler Leistung. Sensoren arbeiten fehlerfrei und wir sollten in Kürze über alle nötigen Informationen verfügen.“ „Wie ist der Status der Vision of Freedom?“ „Völlige Stille. Die Triebwerke sind offline, das gleiche gilt für die Waffen und sämtliche Kommunikationskanäle. Auf mehreren Decks scheint die Lebenserhaltung auf ein kritisches Niveau gefallen zu sein, aber das größte Problem sind die Schutzschilde. Alle Deflektoren der Vision of Freedom sind ausgefallen und die Hülle wurde bereits an mehreren Stellen durch kleinere Asteroiden beschädigt. Wir scannen derzeit nach größeren Trümmern, die das Schiff schwerer beschädigen könnten.“ „Lebenszeichen?“ „Mehrere, wenn auch deutlich weniger als eigentlich normal wäre. Wir versuchen die Überlebenden zu lokalisieren, aber verlieren immer wieder Signale…“ Winter verzog das Gesicht zu einer Grimasse. „Ich schätze das beantwortet meine Frage nach einer möglichen Infektion… Das Strike Team soll sich in zehn Minuten im Briefing-Room versammeln!“ Mit einem letzten Blick auf den dunklen Umriss der Vision of Freedom verließ Winter die Brücke.

Der Besprechungsraum der Fury erinnerte Winter ein wenig an die Hörsäle seines Ausbildungszentrums und war in zwei Hälften unterteilt. Nach der Zugangstür folgte zunächst eine Ebene mit verschiedenen Computerterminals, Sitzgruppen und einem durch schweres Panzerglas abgetrennten Besprechungszimmer, bevor eine längere Treppe hinab zur Projektionsebene führte. Zur Rechten und Linken der Treppe lagen stufenförmig angeordnete Sitzreihen, wobei jeder Stuhl mit einem eigenen Display ausgestattet war. Auf mehreren Sitzplätzen hatten bereits Mitglieder seines Strike Teams Platz genommen, aber gleichzeitig trafen noch immer neue Samaritans ein. Die Neuzugänge im Team salutierten bei seinem Anblick, die langjährigen Teamitglieder beließen es in der Regel bei einem höflichen Nicken. Spirit hatte in einer Ecke des Raumes Position bezogen und beobachtete das Treiben mit aufmerksamem Blick. Ihre permanente Wachsamkeit wirkte angesichts der Sicherheitsvorschriften an Bord der Wings of Fury zwar ziemlich paranoid, aber spätestens, nachdem sie ihm das dritte Mal das Leben gerettet hatte, hatte Winter sich damit arrangiert.

In der Mitte der Projektionsebene befand sich ein mächtiger Holoprojektor, der auf Winters Knopfdruck hin summend zum Leben erwachte. „Meine Damen, meine Herren, Sie fragen sich sicher, was uns in diese Ecke der Galaxis verschlagen hat. Vor acht Monaten hat das Vanguard Overkommando ein Stufe-4-Notsignal der Alabaster-Station aufgefangen und ein Strike Team unter dem Kommando von Lt. Kara Black dorthin geschickt. Wir wissen noch immer nicht genau was auf der Station passiert ist, Fakt ist jedoch, dass das gesamte Team mit Ausnahme der Führungsoffiziere von einem als „Strain“ klassifizierten Agressor ausgelöscht wurde. Offensichtlich wurde an Bord der Alabaster-Station ein bisher unbekanntes Nanovirus freigesetzt, das Crewmitglieder und Teile des Einsatzkommandos mutieren ließ. Die Daten, die Lt. Black übermittelt hat, deuten auf eine übergreifende Kontrollintelligenz unter den Strain hin, ihr Ursprung wurde jedoch nicht mehr restlos aufgeklärt. Vor ihrer Flucht konnte Lt. Black die Station durch eine gezielte Reaktorüberladung vernichten, vereinzelte Trümmer wurden jedoch später von Wissenschaftsteams der Vanguard geborgen und zur weiteren Analyse zum Forschungsschiff Vision of Freedom gebracht. Vor zwei Wochen ist der Kontakt zur Vision of Freedom abgebrochen, zuvor wurde allerdings abermals ein Stufe-4-Notsignal aktiviert. Und hier kommen wir ins Spiel. Das Oberkommando hat uns hierher entsandt, um die Freedom zu sichern, Überlebende zu bergen und herauszufinden, was genau an Bord des Schiffes passiert ist.“

Winter gab einige kurze Befehlszeilen in das Computersystem des Holoprojektors ein, und wenig später erschien eine dreidimensionale Darstellung der Vision of Freedom über der Projektionsebene. „Das soll ein Forschungsschiff sein? Das Ding hat genug Waffen um einen Krieg zu beginnen! Und ihn vermutlich sogar zu gewinnen!“, platzte Private Stevens heraus. Winter zuckte beim Anblick des jungen Samaritans kurz zusammen, als einmal mehr die Bilder aus seinem Alptraum vor seinen Augen erschienen. „Manche Forschungsergebnisse benötigen etwas mehr Schutz als andere, Stevens. Der derzeitige Status der Freedom ist kritisch. Alle primären Systeme sind entweder offline oder laufen auf Notenergie. Reaktoren, Triebwerke, Schilde – alles tot. Die Lebenserhaltung wird derzeit noch von den Notsystemen aufrechterhalten, ist aber in Teilen des Schiffs bereits kollabiert. Unser Einsatz wird deshalb wie folgt ablaufen: Wir werden zunächst mit unserern Harbinger Shuttles die Backbord-Landebucht anfliegen und diesen Bereich sichern. Ein Team unter der Leitung von Chief Clarke wird sich im Anschluss zum Reaktor durchschlagen und die Energieversorgung wiederherstellen. Auf diese Weise sollte es außerdem möglich sein, die Schilde wieder online zu bringen und das Schiff vor weiteren Asteroiden zu schützen. Ein zweites Team wird unter meiner Führung die Brücke sichern und Zugriff auf die Daten des Logbuchs erlangen. Alle weiteren Informationen finden Sie in ihrer persönlichen Datenkonsole, die Shuttles starten in zwei Stunden. Viel Glück!“

Sedition Wars Sichtkontakt 2

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