Fluff: Am Anbeginn (Aeronautica Imperialis)

Endlos. Immer wieder brannte sich dieses Wort in die Gedanken des Jungen Tau ein, während er dem weiß getäfelten Gang folgte, der ihn seinem Schicksal entgegenführte. Endlos und leer. Kein anderes Wesen befand sich mit ihm auf dieser Ebene, seit er die Ehrengarde am Ausgang des Lifts hinter sich gelassen hatte, war er alleine mit sich und seinen Gedanken.

„Kor’vre Vash’ya Anuk meldet sich wie befohlen!“ Immer wieder murmelte er die Worte vor sich hin, als wären sie ein Wegweiser, in der endlosen Weite dieses weißen Labyrinths.

Up to the SkyObwohl er kaum eine Minute auf dem Kommandodeck unterwegs war, hatte er bereits jedes Zeitgefühl verloren. Seit er an diesem Morgen hierher abkommandiert worden war, hatte er sich immer wieder die Frage nach dem Warum gestellt. Die Nachricht, die er über sein Interkomm erhalten hatte, bestand nur aus wenigen Worten und gab ihm auch jetzt noch Rätsel auf: „Neuer Einsatzbefehl hiermit erteilt. Finden Sie sich heute zum achten Dec bei Transportrampe fünf ein. Standardeinsatzgepäck. Weitere Informationen folgen.“ Als er an der Rampe eingetroffen war, hatte ihn bereits ein Orca-Landungsschiff erwartet und nach einer wortlosen Begrüßung durch den Piloten hatte die Maschine ohne weitere Verzögerung abgehoben und den Orbit von Vash’ya verlassen. Obwohl seine Erinnerungen an den Transit lückenhaft waren, hatte sich der Anblick des leuchtend weißen Custodian-Trägers fest in sein Gedächtnis eingebrannt. Ein strahlender Schwan, der bewegungslos inmitten der endlosen Weite des Alls schwebte. Die makellose Ästhetik und die machtvolle Ausstrahlung des Schlachtschiffs ließ ihn auch bei späteren Gedanken daran ehrfurchtsvoll innehalten.

Jetzt befand er sich an Bord eben jenes Schiffes, das ihm von der Hangarcrew schlicht als „Bote der Einigkeit“ vorgestellt worden war. Bereits kurz nach seiner Ankunft in der ihm zugewiesenen Kabine, war er von einem Wachoffizier angeholt und zu den Lifts geleitet worden, die ihn schließlich hierher gebracht hatten. Was ihn hier erwartete wusste er immer noch nicht. „Kor’vre Vash’ya Anuk meldet sich wie befohlen!“ noch während er den Satz erneut herunterbetete, tauchte am Ende des Gange eine ebenfalls weiß vertäfelte Tür auf. Keine Beschriftung deutete auf das hin, was dahinter lag, doch das war auch nicht nötig. Anuk wusste es und jeder, der diesen Gang betrat, wusste es ebenfalls. Mit einem Stoßseufzer straffte er sich, überprüfte noch einmal den Sitz seiner Uniform und legte die letzten Meter zwischen sich und der Tür zurück, die Sich nach einem kurzen Signalton vor ihm öffnete. „Kor’vre Vash’ya Anuk meldet sich wie bef…!“ Er konnte den Satz nicht beenden. Wie angewurzelt blieb er einen Schritt nach der Türschwelle stehen und blickte mit einem Anflug von Panik auf die beiden Tau, die an einem Kommandotisch in der Mitte des Raumes standen und ihn mit ausdrucksloser Mine betrachteten. Der linke trug eine blaugraue Uniform der Luftkaste, Abzeichen und Orden wiesen ihn als Kor’o aus, als Admiral der Flotte. Der Befehlshaber des Raumträgers musterte Anuk still und der junge Pilot glaubte einen Anflug von Missbilligung in seinen Zügen zu erkennen. Doch obwohl eine Begegnung mit einem Admiral nur wenigen Piloten vergönnt war, war es der zweite Tau, der seinen Blick fesselte. Weite Roben hüllten die erhabene Gestalt ein, in der rechten Hand trug sie einen reich verzierten Stab, der in einer Klingenspitze endete und ein fahles Licht ausstrahlte.

Anuk wich einen Schritt zurück und prallte unsanft gegen die Tür, die sich lautlos hinter ihm geschlossen hatte. „Verzeiht die Störung, Aun, Admiral… ich wusste nicht… ich dachte… vergebt mein Eindringen…“ Es war der Admiral, der seine gestammelte Entschuldigung mit einer kurzen Geste zum verstummen brachte, bevor der Himmlische das Wort ergriff: „Es gibt nichts zu entschuldigen, junger Pilot. Ihr seid hier, weil wir nach Euch geschickt haben und wir haben Euch erwartet.“ Anuk war sich nicht sicher, ob dieses Wissen ihn tatsächlich beruhigen sollte, aber schließlich atmete er kurz kräftig durch und nahm Haltung an: „Kor’vre Vash’ya Anuk meldet sich wie befohlen!“

Der Kor’o nickte zufrieden, musterte Anuk noch einmal gründlich und fragte schließlich mit ausdrucksloser Stimme: „Wisst Ihr, warum Ihr hier seid, Kor’vre?“ Anuks gerade zur Ruhe gekommene Gedanken begannen erneut zu rasen. Sollte er das denn wissen? Was konnten ein Admiral und ein Himmlischer von ihm wollen? Es ging doch hoffentlich nicht um diese alberne Geschichte mit seinem letzten Kor’el? Der Typ war ein aufgeblasener Mistkerl gewesen, mit dem Anuk ständig aneinander geraten war… Schließlich entschied er sich für die schlichte Wahrheit: „Nein, Kor’o, das weiß ich nicht.“ Wieder nickte der Admiral wortlos, bevor er einen Knopf an der Kontrollkonsole seines Kommandotisches drückte. Aus einem verborgenen Winkel des Raumes schwebte eine Datendrohne heran, die schließlich in der Mitte des Raumes verharrte und langsam rotierend auf der Stelle schwebte. Nach einigen kurzen Klicks auf der Kontrollkonsole wurde ein Holoprojektor im Rumpf der Drohne aktiviert und vor Anuks Augen manifestierte sich ein perfektes Abbild seiner selbst. Neben dem bläulich schimmernden Hologramm erschienen kurz darauf mehrere Textfragmente, bevor aus einem verborgenen Lautsprecher eine mechanisch klingende Frauenstimme erklag: „Datensatz 153.K8 geladen…Kor’vre Vash’ya Anuk, Pilot der Flotte. Bestätigte Abschüsse: 19, verlorene Schiffe: 0. Beförderung mehrfach abgelehnt, derzeit wegen Disziplinlosigkeit und Verstößen gegen die Statuten der Luftkaste suspendiert…“ „Das war völlig lächerlich!“ brach es aus Anuk hervor, doch ein stechender Blick des Admirals ließ ihn sofort wieder verstummen. Als die Drohne daraufhin mit ihrem Bericht fortfuhr, wäre Anuk am liebsten aus dem Raum geflohen. „Besondere Hintergrundnotiz: Kor’vre Vash’ya Anuk entstammt einer illegalen Kastenverschmelzung. Mutter: Luftkaste, Vater: Feuerkaste. Aufnahme in die Luftkader daher zunächst abgelehnt, später Ausnahmegenehmigung erteilt.“ „Das reicht“ mit einem letzten Knopfdruck ließ der Kor’o die Drohne verstummen. „Zumindest kennen wir nun den Grund für Euer hitziges Gemüt, Kor’vre. Es wundert mich, dass ihr unter diesen Umständen nicht schon lange aus der Flotte entfernt wurdet.“ Anuk spürte, wie Zorn in ihm aufkeimte, doch er beherrschte sich. „Bitte um Erlaubnis offen sprechen zu dürfen, Kor’o.“ „Erteilt!“ „Ich wurde nicht aus der Flotte entfernt, weil ich der beste Pilot meines Jahrgangs bin. Ich wurde nicht entfernt, weil ich in allen bisherigen Schlachten erfolgreich für das höhere Wohl gekämpft habe und stets loyal war. Das einzige, was an meiner Herkunft ein Problem ist, ist die Art, wie einige meiner Vorgesetzten damit umgehen! Ich habe in meiner bisherigen Dienstzeit nie eine faire Chance in der Flotte erhalten! Und da wundert ihr Euch über mein “hitziges“ Gemüt?“ Er atmete kurz durch und beruhigte sich schließlich wieder: „Aber ihr habt mich sicher nicht gerufen, um mit mir über meine Herkunft zu sprechen.“

Der Kor’o ließ die Worte des Piloten kurz wirken und schien über eine angemessen Antwort nachzudenken. Er warf dem Himmlischen einen fragenden Blick zu und als dieser sanft nickte, antwortete er: „Eine faire Chance wollt Ihr? Nun gut, Ihr werdet sie bekommen. Wir haben Euch in der Tat nicht nur wegen Eurer besonderen Herkunft und Eurem offensichtlichen Problem mit Autoritäten zu uns gerufen, sondern weil wir Euch einem neuen Geschwader und einer besonderen Mission zuweisen wollen. Bis auf weiteres werdet Ihr auf der Klinge der Erneuerung stationiert, einem Kreuzer der Lar’shi’vre-Klasse. Der dortige kommandierende Offizier wurde bereits über Eure Ankunft informiert und auch Eure persönlichen Gegenstände befinden sich bereits an Bord eines Orca-Transportshuttles. Weitere Details über Euren Auftrag werdet Ihr nach Eurer Ankunft erhalten. Seid Ihr mit dieser Versetzung einverstanden?“ Obwohl er angesichts dieser Flut von Neuigkeiten etwas erschlagen war, antwortete Anuk sofort: „Ich bin einverstanden, Kor’o.“ Der Admiral nickte zufrieden: „Ihr werdet jedoch sicher verstehen, dass Ihr angesichts dieser neuen Umstände Euren alten Rang nicht behalten könnt?“ Anuk zuckte bei diesen Worten zusammen, schluckte eine bittere Erwiderung aber herunter: „Wenn Ihr das so seht, werde ich mich Eurer Entscheidung beugen, Kor’o.“ Ein leises Lächeln umspielte die Lippen des Himmlischen und auch der Kor’o wirkte seltsam amüsiert. „Es freut mich, dass Ihr Eure Beförderung akzeptiert. Wir haben Euch dem Geschwader „Sichelsturm“ als Staffelführer zugewiesen, die anderen Piloten werdet Ihr an Bord der Klinge der Erneuerung kennen lernen. Kehrt nun zu Eurem Quartier zurück, ein Gardist wird Euch dort abholen, sobald Euer Shuttle bereitsteht. Viel Erfolg bei Eurer Mission, Kor’el!“

… wird fortgesetzt

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